Photo credit: Jennifer Anger
Rautistrasse 3000
Zürich zählt zu den teuersten Städten der Schweiz sowohl in Bezug auf Wohnraum als auch auf kulturelle Initiativen. Die hohen Mietkosten und knappen Ressourcen erschweren es Künstler:innen, sich Räume zu leisten, sei es zum Leben oder zum Arbeiten. Umso essenzieller wurde es, ungenutzte Räume temporär zu bespielen und den Zustand des Dazwischen zwischen Abriss und Neubau für künstlerische Zwecke zu nutzen.
Gerade in dieser kurzzeitigen Leere der Siedlung Salzweg entstand ein Möglichkeitsraum für Reflexion und Experiment.
Mitte Juli pulsierte in der Siedlung Salzweg noch einmal das Leben, bevor die Wände einbrachen. Die Wohnungen wurden nicht nur mit Kunst gefüllt, sondern gemeinsam aktiviert als temporärer Ort der Begegnung. Die Türen standen Nachbar:innen, Künstler:innen und Interessierten offen, die sich begegneten, austauschten und den Ort gemeinsam erfuhren.
Die Siedlung Salzweg wurde Mitte bis Ende der 1960er Jahre konzipiert und realisiert. Ziel war es, günstigen Wohnraum für Zürich zu schaffen. Da die Siedlung als schwer sanierbar galt, wurde sie abgerissen und neu gebaut mit dem weiterhin bestehenden Anspruch, preisgünstigen Wohnraum zu erhalten.
Das Quartier Altstetten ist gut mit dem Industriequartier vernetzt, in dem die Zürcher Hochschule der Künste liegt, und war daher ein beliebtes Wohngebiet für Studierende der Hochschule. Mehrere Künstler:innen eines temporären Kollektivs hatten zeitgleich studiert und in der Siedlung Salzweg gelebt. Als die Nachricht über den geplanten Abriss öffentlich wurde, entstand der Wunsch, die Siedlung mit einer Ausstellung zu würdigen, bevor sie verschwindet. Daraufhin vernetzten sich mehrere Künstler:innen aus der Siedlung, die bereits zuvor zusammen gearbeitet oder studiert hatten, und luden einander zur Teilnahme an der Ausstellung ein.
Die Initiant:innen hatten bereits in der Vergangenheit mit leerstehenden Gebäuden gearbeitet und Erfahrungen mit temporären Kunsträumen gesammelt. Diese Auseinandersetzungen mit Zwischennutzungen und ephemeren Orten bildeten eine wichtige Grundlage für das Projekt in der Siedlung Salzweg.