Haltung einer Radical Pedagogy in Museums 
Oana Popa, 2026

Dragă Oana mică, 

Deine Beziehung zum Museum war von Beginn an von Distanz geprägt. Manchmal bist du mit deiner Mutter nach Bukarest ins Museum gefahren. Die Treppe zum Antipa-Museum war steil, und deine Mutter sagte, dass du sie nur mit dem Wissen von deinen Vorfahren beseitigen kannst. Die Linearität der Gattung Homo war im Antipa- Museum in der Grösse deines Vaters dargestellt: vom Affen bis zum Homo sapiens. Immer aufrechter, bis er stand und zum Menschen wurde – zum Mann, später zum Maler. 

In den Sommerferien hast du ihn während der Aktivitätswochen deiner Stadt im Kunstmuseum kennengelernt. Er hatte viele Namen und malte präzise, entlang einer erneuten Linearität, bis in die Moderne – dort, wo die Sammlung endete. Kunstpädagoginnen brachten dir seinen Stil näher. So wurde Kunst gemacht, nachgemacht und richtiggemacht – an Wänden, an denen alles in absolutem Wissen hing. Wenn ich dich fragen würde, welches Kunstwerk du kennst, käme dir automatisch Der Ochsenkarren von Nicolae Grigorescu in den Sinn. Ein Werk, das dich nicht interessiert und nichts mit dir zu tun hat. 

Im Museum lernst du früh, dargestellt zu sein und nicht darstellend. Einerseits, weil du als Mädchen erkannt wirst, andererseits, weil du dir die Techniken nicht aneignen möchtest. Du sollst Kunst kennen, aber sie soll dich nicht kennen. 

Und als du – neu geboren – ein Schweizerkind wirst, wird dir gesagt, dass in der Kunstvermittlung erprobt werden kann. Du erkennst den Raum als Möglichkeit, daber du bist durchzogen von der genetischen Krankheit der Unterwerfung. Die Schweizer Institution scheint Lifte zu haben, aber dieser hat einen Schlüssel – und wer besitzt ihn ? 

Du musst verlernen. Verlernen ist neu in deinem Vokabular. Das Verlernen musst du lernen. Und dafür muss die Treppe einstürzen. 

Radikale Pädagogik beginnt für mich dort, wo wir unsere Beziehung zum Museum als hegemoniale Institution verlernen. Das Museum soll gemäss der ICOM-Definition von 2007 eine „gemeinnützige, dauerhafte Einrichtung im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung“ sein, offen für die Öffentlichkeit, die das materielle und immaterielle Erbe der Menschheit und ihrer Umwelt erwirbt, bewahrt, erforscht, vermittelt und ausstellt – zum Zweck von Bildung, Studium und Vergnügen. 

Mehr als die Beschäftigung ausgehend vom Kuratierten, interessieren mich jedoch andere Zwecke, die ein Museum übernehmen kann, um diesen Auftrag einzulösen. Wenn ein Museum im Dienst der Gesellschaft arbeitet, wo bleibt der Dialog mit der Gesellschaft? Können wir den Raum des Museums eines Tages so selbstverständlich als einen demokratischen Raum wahrnehmen wie einen Spielplatz – einen Ort nicht nur des Spielens, 

sondern auch des Verweilens, des Treffens, des Essens, des Knutschens oder des Konsumierens? 

Wie würde sich diese Selbstverständlichkeit, dieser Abbau der steilen Treppe, auf das, was präsentiert wird, auswirken- insbesondere im Kunstmuseum? Wen würden wir dann Künstler*in nennen, und wer könnte die Wände der Institution füllen? 

Um eine solche Beziehung zu ermöglichen, müssen wir das Museum nackt machen. Es entleeren von dem, was es materiell in sich trägt. Oana mică kann ihre Erfahrungen im Antipa-Museum nicht aus dem Gedächtnis löschen, aber sie kann den Ochsenkarren aus dem Museum hinaustragen und darüber nachdenken, welche Funktionen eine leere Wand übernehmen kann – für sie und für andere. 

Ich möchte aus der Kunstvermittlung im Museum nur das Museum behalten – und beobachten, was passiert. Vermittlung kann nur dann vollständig dekonstruktiv sein, wenn sie sich selbst nicht mehr ernst nimmt und in den Hintergrund tritt. Indem ich mich der Infrastruktur der Museen widme und Orte aktiviere, an denen wenig Kunst und mehr Bewegung möglich ist – etwa Eingangshallen –, eröffne ich gemeinsam mit anderen Räume und Möglichkeiten, die bisher im Schatten der kuratierten Kunst bleiben. Diese Kunst entspringt oft nicht einem Interesse der breiten Gesellschaft, sondern einer intellektuellen Minderheit, Marktlogiken und Trends. Erst wenn Möglichkeiten erprobt und das Museum als leeres Organ verhandelt wird, kann Kunst im Namen einer diversen Gesellschaft neu definiert werden. .